Datenauthentizität: Was sie ist und wie man sie sichert
Warum Fotos, Videos und Dokumente ohne Nachweis ihrer Entstehung an Beweiskraft verlieren und wie eine Zertifizierung an der Quelle mit Siegel und Zeitstempel sie absichert.
Aktualisiert am
Datenauthentizität bedeutet, dass ein digitales Datum nachweislich das ist, was es zu sein vorgibt: ein Foto, das zum angegebenen Zeitpunkt am angegebenen Ort aufgenommen wurde, oder ein Dokument, das tatsächlich aus der genannten Quelle stammt. Belastbar nachweisen lässt sie sich, wenn ein Inhalt schon bei seiner Entstehung forensisch erfasst, über einen Hashwert (SHA-256) eindeutig gekennzeichnet und mit einem qualifizierten elektronischen Siegel und einem qualifizierten Zeitstempel nach der eIDAS-Verordnung abgeschlossen wird. TrueScreen zertifiziert die Authentizität von Fotos, Videos, Dokumenten und Webseiten auf genau diese Weise: durch forensische Erfassung an der Quelle.
Kurz gesagt
- Datenauthentizität belegt, dass ein Datum aus der angegebenen Quelle stammt; Datenintegrität nur, dass es unverändert ist (BSI, IT-Grundschutz-Kompendium 2023).
- Die Erkennungsleistung (AUC) getesteter Open-Source-Detektoren sank bei realen Deepfake-Videos um 50 Prozent gegenüber älteren Benchmarks (Deepfake-Eval-2024, Preprint).
- Eine Zertifizierung an der Quelle umfasst forensische Erfassung nach den Leitlinien der ISO/IEC 27037, Prüfung, technischen Bericht sowie qualifiziertes elektronisches Siegel und qualifizierten Zeitstempel.
- Für qualifizierte Siegel und Zeitstempel gilt EU-weit die Vermutung der Unversehrtheit und der Richtigkeit von Herkunft beziehungsweise Zeitpunkt (eIDAS, Art. 35 und 41); in Deutschland würdigt das Gericht Beweise frei (§ 286 ZPO).
- Ab dem 2. August 2026 verlangt Art. 50 der KI-Verordnung die Kennzeichnung KI-erzeugter Inhalte; für Systeme, die vor dem 2. August 2026 in Verkehr gebracht wurden, gilt bei Art. 50 Abs. 2 eine Frist bis 2. Dezember 2026 (Verordnung (EU) 2026/1744).
52 %
der Internetnutzer in Deutschland sind nach eigener Einschätzung schon auf einen Deepfake hereingefallen
+53 %
Anstieg der von Sumsub erkannten Deepfake-Betrugsversuche in Deutschland (2025)
50 %
weniger Erkennungsleistung (AUC) getesteter Open-Source-Detektoren bei realen Deepfake-Videos
Ein Schadensfoto für die Versicherung, der Screenshot eines Chats, ein Video von der Baustelle: Lange galt ein digitaler Inhalt als echt, solange niemand das Gegenteil bewies. Generative KI hat diese Annahme ins Wanken gebracht, denn täuschend echte Bilder, Stimmen und Dokumente entstehen heute in Sekunden. Für Unternehmen, Kanzleien und Behörden wird die Datenauthentizität damit zu einer praktischen Frage: Wie lässt sich belegen, dass ein Foto, ein Video oder ein Dokument echt ist, und zwar für Dritte überprüfbar? TrueScreen schützt, prüft und zertifiziert die Authentizität digitaler Daten, indem es Fotos, Videos, Audioaufnahmen, Dokumente, Webseiten und Chats im Moment der Erfassung forensisch sichert.
Am verlässlichsten lässt sich diese Frage mit einem Nachweis beantworten, der an der Quelle entsteht, also dort, wo das Foto aufgenommen oder die Webseite aufgerufen wird. Ein solcher Nachweis verbindet eine forensische Erfassung mit einer Prüfung der Daten, einem technischen Bericht sowie einem qualifizierten elektronischen Siegel und einem qualifizierten Zeitstempel. Für Inhalte, die bereits existieren, bleibt die Erkennung von Manipulationen und KI-Erzeugnissen ein ergänzendes Signal, das die Zertifizierung an der Quelle allerdings nicht ersetzt.
Datenauthentizität: Warum digitale Daten nicht mehr für sich selbst sprechen
Datenauthentizität ist die Eigenschaft eines einzelnen Datums, das zu sein, was es zu sein vorgibt: dieses Foto, diese E-Mail, dieses Dokument. Sie geht über die Datenintegrität hinaus, die lediglich besagt, dass sich eine Datei seit einem bestimmten Zeitpunkt nicht verändert hat, und sie unterscheidet sich von der Authentifizierung, mit der ein System prüft, ob eine Person oder ein Gerät tatsächlich die ist, für die sie sich ausgibt. Das IT-Grundschutz-Kompendium des BSI bringt den Kern auf den Punkt: Bei authentischen Informationen ist sichergestellt, dass sie von der angegebenen Quelle erstellt wurden.
TrueScreen sichert diese Eigenschaft für jeden Inhalt, den es erfasst, indem es die Datei zusammen mit Zeitpunkt, Standort, Gerät und Netzwerk aufnimmt und das Ergebnis versiegelt.
Weil sich Echtes und Erzeugtes mit bloßem Auge kaum noch unterscheiden lassen, genügt es nicht mehr, dass eine Datei unverändert ist: Beweiskraft gewinnt sie erst, wenn sich auch ihre Entstehung belegen lässt. In der Praxis werden drei Begriffe häufig verwechselt, obwohl sie unterschiedliche Fragen beantworten.
| Merkmal | Datenintegrität | Datenauthentizität | Authentifizierung |
|---|---|---|---|
| Leitfrage | Wurde die Datei verändert? | Ist der Inhalt das, was er zu sein vorgibt? | Ist die Person oder das System die, für die sie sich ausgibt? |
| Bezugspunkt | die Datei ab einem Referenzzeitpunkt | der Inhalt samt Entstehung: Zeit, Ort, Gerät, Quelle | Benutzerkonto, Gerät, Kommunikationspartner |
| Typisches Mittel | Hashwert, Prüfsumme | forensische Erfassung an der Quelle, Siegel und Zeitstempel | Passwort, Zwei-Faktor-Verfahren, Zertifikat |
| Grenze | sagt nichts darüber, ob der Inhalt schon beim Speichern falsch war | setzt voraus, dass die Erfassung dokumentiert wurde | sagt nichts über die Echtheit der übermittelten Inhalte |
Mehr als Deepfakes: eine Vertrauenskrise im gesamten digitalen Raum
Deepfakes sind das sichtbarste Symptom, doch das Problem der Datenauthentizität reicht tiefer: Jede Datei, die ohne dokumentierte Herkunft zirkuliert, lässt sich heute bezweifeln. Das gilt für das Foto eines Wasserschadens ebenso wie für eine PDF-Rechnung, eine Sprachnachricht oder den Screenshot einer Webseite, die längst gelöscht ist. Wer einen solchen Inhalt vorlegt, muss damit rechnen, dass die Gegenseite seine Echtheit bestreitet. Umgekehrt lässt sich auch ein echter Beleg mit dem bloßen Hinweis, er könne KI-generiert sein, in Frage stellen, sodass der Zweifel selbst zum Werkzeug wird.
Die Zahlen: Wie sich das Vertrauen verschiebt
Der Global Risks Report 2026 des Weltwirtschaftsforums, für den mehr als 1.300 Fachleute befragt wurden, führt Fehl- und Desinformation auf Sicht von zwei Jahren als zweitgrößtes globales Risiko. Negative Folgen von KI steigen in derselben Erhebung von Platz 30 im Zweijahresausblick auf Platz 5 im Zehnjahresausblick und verzeichnen damit den stärksten Anstieg aller erfassten Risiken. Auch das Publikum reagiert: Laut Digital News Report 2026 des Reuters Institute sorgen sich im Schnitt von 48 Märkten 62 Prozent der Befragten darüber, was im Netz echt und was falsch ist, vier Punkte mehr als im Vorjahr, wobei die Sorge in allen westeuropäischen Märkten um mindestens vier Punkte zugenommen hat.
Für Deutschland zeichnen mehrere Quellen ein ähnliches Bild. Nach dem Identity Fraud Report von Sumsub (veröffentlicht im November 2025) stiegen die auf der Plattform des Anbieters erkannten Betrugsversuche mit Deepfakes in Deutschland um 53 Prozent. In einer Umfrage des Branchenverbands Bitkom gaben 52 Prozent der Internetnutzer an, schon mindestens einmal auf einen Deepfake hereingefallen zu sein, und nur ein Viertel traut sich zu, Falschinformationen im Netz zu erkennen. Das Bundeslagebild Cybercrime 2025 verzeichnet rund 334.000 Fälle und hält fest, dass KI-Werkzeuge an Bedeutung gewinnen.
Der Paradigmenwechsel: an der Quelle zertifizieren, Bestehendes prüfen
Datenauthentizität lässt sich verlässlicher belegen, wenn sie bei der Entstehung eines Inhalts gesichert wird, als wenn man sie nachträglich aus der Datei herauszulesen versucht. Die Erkennung im Nachhinein bleibt trotzdem nötig, weil die meisten Inhalte, mit denen Unternehmen und Gerichte zu tun haben, bereits existieren und ohne jede Absicherung entstanden sind.
TrueScreen zertifiziert Daten an der Quelle und prüft Inhalte, die nicht mit TrueScreen erfasst wurden, zusätzlich mit einer Erkennung von Deepfakes und KI-generierten Inhalten. Diese Analyse funktioniert bei Fotos, Videos und Audio, nicht bei Text, und liefert einen Konfidenzgrad: ein zusätzliches Signal, das einer Zertifizierung an der Quelle nicht gleichwertig ist.
Erkennen gegen Erzeugen: eine ungleiche Rechnung
Detektoren lernen aus den Fälschungen, die sie kennen, während jedes neue Generierungsmodell Ergebnisse hervorbringt, die sie noch nie gesehen haben. Wie groß diese Lücke ist, zeigt die Studie Deepfake-Eval-2024 von Chandra und Kollegen, die Open-Source-Detektoren an Inhalten getestet hat, die 2024 tatsächlich im Umlauf waren: 45 Stunden Video, 56,5 Stunden Audio und 1.975 Bilder. Gegenüber älteren akademischen Benchmarks sank die Erkennungsleistung (AUC) bei Videos um 50 Prozent, bei Audio um 48 und bei Bildern um 45 Prozent. Die Arbeit liegt bislang nur als Preprint vor; sie zeigt für die getesteten Open-Source-Detektoren einen deutlichen Leistungsabfall bei Inhalten aus dem tatsächlichen Umlauf.
| Merkmal | Nachträgliche Erkennung | Zertifizierung an der Quelle |
|---|---|---|
| Zeitpunkt | nach der Entstehung, an einer beliebigen Kopie | im Moment der Erfassung |
| Ergebnis | Wahrscheinlichkeit oder Konfidenzgrad | versiegelter Nachweis mit Hashwert, Siegel, Zeitstempel und Bericht |
| Abhängigkeit von neuen KI-Modellen | hoch, Detektoren müssen jedem Generator folgen | gering, geprüft wird der Erfassungsvorgang, nicht das Aussehen der Datei |
| Geeignet für | Inhalte, die bereits existieren | neue Inhalte, die bewusst erfasst werden |
| Prüfung durch Dritte | abhängig vom eingesetzten Werkzeug | unabhängig über Siegel, Zeitstempel und Hashwerte |
Von „echt bis zum Beweis des Gegenteils“ zu „an der Quelle zertifiziert“
Jahrzehntelang galt ein digitaler Inhalt als echt, solange niemand eine Manipulation nachwies. Heute ist jeder Inhalt potenziell unzuverlässig, es sei denn, seine Echtheit wurde gesichert. Damit steigt in der Praxis der Druck auf denjenigen, der einen Inhalt vorlegt, dessen Entstehung nachvollziehbar belegen zu können. Bei physischen Beweismitteln ist dieses Denken seit Langem selbstverständlich, denn ohne lückenlose Beweiskette (Chain of Custody) kann auch ein echtes Asservat an Gewicht verlieren.
Authentizität, Provenienz und Content Credentials (C2PA): die Unterschiede
Datenauthentizität beschreibt die Echtheit eines einzelnen Datums zu einem bestimmten Zeitpunkt. Digitale Provenienz geht weiter und meint die nachprüfbare Herkunft und Geschichte eines Inhalts über seinen gesamten Lebenszyklus, also wer ihn wann womit erstellt und wer ihn später verändert hat. Content Credentials nach dem C2PA-Standard sind ein technisches Format, das solche Herkunftsangaben kryptografisch gesichert in die Datei einbettet. Ihr Nutzen hängt allerdings davon ab, dass jedes Gerät und jede Plattform entlang der Kette sie schreibt und bewahrt, wie die Analyse zu Funktionsweise und Grenzen des C2PA-Standards zeigt. C2PA ist ein Standard, den TrueScreen unterstützt; eine forensische Erfassung mit Siegel und Zeitstempel ersetzt er nicht.
Wie man Datenauthentizität an der Quelle zertifiziert
Eine Zertifizierung an der Quelle verbindet forensische Erfassung nach den Leitlinien der ISO/IEC 27037, Prüfung der Daten, technischen Bericht und Abschluss mit einem qualifizierten elektronischen Siegel und einem qualifizierten Zeitstempel. Die Reihenfolge ist nicht beliebig, denn jeder Schritt baut auf dem vorherigen auf, und was bei der Erfassung nicht dokumentiert wurde, kann auch kein Siegel nachträglich belegen. Die ISO/IEC 27037 beschreibt seit 2012 international, wie digitale Beweismittel identifiziert, gesammelt, erfasst und aufbewahrt werden.
Für die zertifizierte Aufnahme von Fotos und Videos heißt das konkret: Die Echtheitsprüfung findet nicht erst statt, wenn ein Streit entsteht, sondern bereits in dem Moment, in dem jemand auf den Auslöser drückt.
-
Forensische Erfassung
Der Inhalt wird in einer kontrollierten Umgebung aufgenommen, in der weder eine Person noch eine Software, ein anderes System oder eine KI ihn während der Erfassung verändern kann. Zusammen mit der Datei werden Zeitpunkt, Standort, Gerät und Netzwerk erfasst. Für jede Datei entsteht ein Hashwert nach SHA-256, der sich schon bei der Änderung eines einzigen Bits vollständig ändert. Eine Veränderung wird so während der Erfassung verhindert und ist danach erkennbar.
-
Prüfung der Daten
Im zweiten Schritt werden die erfassten Daten auf Vollständigkeit und Stimmigkeit geprüft: ob Datei und Hashwert zusammenpassen und ob Zeitpunkt, Standort und Geräteangaben ein konsistentes Bild ergeben. Erst die geprüften Daten gehen in den Bericht ein.
-
Technischer Bericht
Der technische Bericht hält fest, was erfasst wurde, wann, wo und mit welchem Gerät, und führt die zugehörigen Hashwerte auf. Er ist für Menschen lesbar und lässt sich von Dritten unabhängig prüfen, denn das Paket aus versiegelter XML-Datei, Hashwerten und Bericht kann ohne Zutun des Anbieters kontrolliert werden.
-
Qualifiziertes elektronisches Siegel und qualifizierter Zeitstempel
Zum Abschluss werden Bericht und Daten mit einem qualifizierten elektronischen Siegel und einem qualifizierten Zeitstempel versehen, international anerkannt und nach der eIDAS-Verordnung definiert (Art. 3 Nr. 27 und Nr. 34). Für das Siegel gilt EU-weit die Vermutung, dass die Daten seit dem Versiegeln unverändert sind und die Herkunftsangabe stimmt; für den Zeitstempel die Vermutung, dass Datum und Uhrzeit richtig sind.
Wie zertifiziert TrueScreen die Authentizität von Daten?
TrueScreen zertifiziert die Authentizität digitaler Daten, die mit TrueScreen erfasst werden: Zeitpunkt, Ort, Gerät und Netzwerk werden zusammen mit der Datei aufgenommen und versiegelt. Dieselbe forensische Methodik von TrueScreen steht in der App, im Portal, im Forensic Browser, in der Browser Extension, über die API und über einen MCP-Server zur Verfügung, sodass Sie je nach Situation das passende Werkzeug wählen können.
App, Portal, Forensic Browser und Browser Extension
Die TrueScreen App ist die Anwendung für iOS, Android, iPadOS und macOS, mit der Sie Fotos, Videos, Audio, Bildschirmaufzeichnungen, Web-Sitzungen, Standorte und Scans zertifiziert erfassen; Chats sichern Sie über die Bildschirmaufzeichnung. Der Forensic Browser ist ein Desktop-Browser für macOS und Windows, der Webseiten gezielt, als vollständige Aufzeichnung einer Sitzung oder automatisch erfasst: Er berechnet die Hashwerte fortlaufend während der Erfassung. Die Browser Extension für Chrome und Edge zertifiziert Webseiten direkt im gewohnten Browser. Im Portal verwalten Sie Ihre Zertifizierungen und Berichte; Webseiten selbst werden über Forensic Browser oder Browser Extension zertifiziert.
API, MCP-Server und TrueFlow
Über die REST-API lässt sich die Zertifizierung in eigene Anwendungen einbinden, etwa in ein Schadensportal oder ein Dokumentenmanagementsystem. Der MCP-Server erlaubt es, Daten zu zertifizieren, die von KI-Agenten erzeugt werden, was mit der zunehmenden Automatisierung von Prozessen an Gewicht gewinnt. TrueFlow ist eine geführte Erfassung per Link: Die empfangende Person folgt Schritt für Schritt den Anweisungen und braucht dafür kein eigenes Konto. SDK und White Label sind Enterprise-Kunden vorbehalten.
Wo die Daten liegen und welchen Standards TrueScreen folgt
Die Daten werden auf Infrastruktur im Europäischen Wirtschaftsraum gespeichert. TrueScreen ist von einer akkreditierten Stelle nach ISO/IEC 27001 zertifiziert und folgt bei der Erfassung der ISO/IEC 27037. Die Methodik selbst ist durch Patente geschützt. Ein typischer Ablauf: Ein Sachverständiger dokumentiert einen Wasserschaden mit der App, die Zertifizierung entsteht noch vor Ort, und die Versicherung prüft Siegel und Zeitstempel später, ohne auf die Angaben des Sachverständigen angewiesen zu sein.
Rechtlicher Wert: Was Siegel, Zeitstempel und Bericht leisten
Nach der eIDAS-Verordnung gilt für qualifizierte elektronische Siegel (Art. 35 Abs. 2) und qualifizierte elektronische Zeitstempel (Art. 41 Abs. 2) EU-weit die Vermutung, dass die Daten unversehrt und Herkunft beziehungsweise Zeitpunkt richtig angegeben sind; die Begriffe sind in Art. 3 Nr. 27 und Nr. 34 definiert. TrueScreen ist weder Vertrauensdiensteanbieter noch Zertifizierungsstelle. Zertifiziert wird, wie und wann eine Aufnahme erfasst wurde, nicht, dass die Szene echt war.
ISO/IEC 27037 und eIDAS: Erfassung, Siegel und Zeitstempel
Die ISO/IEC 27037 enthält Leitlinien dafür, wie digitale Beweismittel identifiziert, gesammelt, erfasst und aufbewahrt werden; sie ist keine Rechtsnorm. Die eIDAS-Verordnung (EU) Nr. 910/2014, inzwischen in der Fassung der Verordnung (EU) 2024/1183, regelt Siegel und Zeitstempel. Nach Art. 35 darf einem elektronischen Siegel die Rechtswirkung und die Zulässigkeit als Beweismittel nicht allein deshalb abgesprochen werden, weil es elektronisch vorliegt; für das qualifizierte Siegel gilt die Vermutung der Unversehrtheit der Daten und der Richtigkeit ihrer Herkunftsangabe, und es wird in allen Mitgliedstaaten anerkannt. Art. 41 sieht für den qualifizierten Zeitstempel die Vermutung vor, dass Datum und Uhrzeit richtig und die verbundenen Daten unversehrt sind. In Deutschland ergänzt das Vertrauensdienstegesetz (VDG) die unmittelbar geltende Verordnung.
Der technische Bericht vor Gericht
Im deutschen Zivilprozess gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung (§ 286 ZPO). Siegel, Zeitstempel und Hashwerte geben dem Gericht eine überprüfbare Grundlage; welches Gewicht der Nachweis im Einzelfall hat, entscheidet das Gericht. Diese Elemente lassen sich von Dritten ohne Zutun von TrueScreen kontrollieren, etwa über die Funktion, Zertifizierungen unabhängig zu prüfen. Die Rollen bleiben dabei klar verteilt: Ein Sachverständiger deutet, was ein Foto oder Video zeigt, während die Zertifizierung belegt, wie und wann es erfasst wurde.
Wer Datenauthentizität braucht: Branchen und Beispiele
Datenauthentizität wird überall dort zur Pflichtaufgabe, wo ein digitaler Inhalt eine Zahlung, eine Haftung oder eine behördliche Entscheidung auslöst. Besonders betroffen sind Branchen, die täglich Fotos, Dokumente und Aufzeichnungen von Dritten annehmen und auf dieser Grundlage handeln.
Versicherungen, Banken und Finanzdienstleister
Versicherer und Finanzdienstleister prüfen täglich die Datenauthentizität von Belegen, die sie nicht selbst erstellt haben, und gerade dort setzen Betrugsversuche an: Nach dem im November 2025 veröffentlichten Identity Fraud Report von Sumsub stiegen die auf der Plattform des Anbieters erkannten Betrugsversuche mit Deepfakes in Deutschland um 53 Prozent. Ein Kfz-Versicherer kann seinen Kunden nach einem Unfall einen TrueFlow-Link schicken, über den Fotos des Schadens geführt und zertifiziert aufgenommen werden. Eine Leasinggesellschaft dokumentiert auf dieselbe Weise den Zustand eines Fahrzeugs bei der Rückgabe und verringert so das Risiko eines späteren Streits über Kratzer, die angeblich schon vorher da waren.
Recht und öffentliche Verwaltung
Für Kanzleien ist die Beweissicherung im Netz ein Wettlauf mit der Löschtaste. Eine Anwältin, die einen ehrverletzenden Beitrag in sozialen Medien sichern muss, erfasst die Seite mit dem Forensic Browser, bevor der Verfasser sie entfernt, und legt dem Gericht anschließend einen versiegelten Bericht statt eines einfachen Screenshots vor. Behörden nutzen dasselbe Prinzip, wenn etwa eine Bauaufsicht einen ungenehmigten Umbau mit der App dokumentiert und die Aufnahmen später in einem Verwaltungsverfahren standhalten müssen.
Bau, Fertigung, Logistik und Medien
Auf Baustellen und in Werkshallen entscheiden Fotos über Abnahmen, Mängelrügen und Gewährleistung, weshalb eine Bauleitung den Baufortschritt und festgestellte Mängel zertifiziert festhalten kann. In der Logistik dokumentiert der Wareneingang einen Transportschaden in dem Moment, in dem die Palette ankommt, sodass die Frage, wer den Schaden zu verantworten hat, bessere Chancen hat, nicht an der Uhrzeit des Fotos zu scheitern. Redaktionen wiederum können bei Material, das ihre Reporter mit der App aufnehmen, später zeigen, wann und wo es entstanden ist.
Die Zukunft: digitale Provenienz
Digitale Provenienz, also die nachprüfbare Herkunft und Geschichte eines Inhalts über seinen gesamten Lebenszyklus, gewinnt als wirtschaftliche und zunehmend auch regulatorische Erwartung an Bedeutung. Das Marktforschungsunternehmen Gartner hat sie in seinem Ausblick vom 20. Oktober 2025 zu den strategischen Technologietrends für 2026 gezählt und prognostiziert, dass Organisationen, die bis 2029 nicht ausreichend in Fähigkeiten zur digitalen Provenienz investieren, Sanktionsrisiken in Milliardenhöhe ausgesetzt sein könnten.
Auch der Gesetzgeber setzt einen Rahmen. Die KI-Verordnung (EU) 2024/1689 verlangt in Art. 50 ab dem 2. August 2026, dass Anbieter die Ausgaben ihrer KI-Systeme maschinenlesbar als künstlich erzeugt oder manipuliert kennzeichnen (Abs. 2) und dass Betreiber Deepfakes offenlegen (Abs. 4). Die Verordnung (EU) 2026/1744 räumt Anbietern von Systemen, die vor dem 2. August 2026 in Verkehr gebracht wurden, eine Frist bis zum 2. Dezember 2026 ein, allerdings nur für die Kennzeichnungspflicht nach Art. 50 Abs. 2. Die Kennzeichnung zeigt an, was künstlich erzeugt wurde; den positiven Nachweis, dass ein Inhalt echt ist, kann sie nicht erbringen.
TrueScreen liefert heute die Authentizität von Daten; die digitale Provenienz ist die Richtung, auf die TrueScreen zusteuert. Datenauthentizität und Provenienz hängen eng zusammen, denn die Geschichte eines Inhalts lässt sich nur dann verlässlich nachzeichnen, wenn ihr Anfang gesichert ist. Eine Zertifizierung an der Quelle liefert genau diesen Anfangspunkt.
Fazit
Datenauthentizität ist zu einer Frage der Beweisführung geworden: Ein Foto, ein Video oder eine Webseite überzeugt heute vor allem dann, wenn sich belegen lässt, wie und wann der Inhalt entstanden ist. Die nachträgliche Erkennung von Deepfakes bleibt für bereits vorhandene Inhalte ein nützliches Signal, liefert aber nur Wahrscheinlichkeiten. Wer Inhalte bereits bei der Aufnahme forensisch erfasst, prüft, in einem technischen Bericht dokumentiert und mit einem qualifizierten elektronischen Siegel und einem qualifizierten Zeitstempel abschließt, schafft einen Nachweis, den Dritte unabhängig kontrollieren können und den das Gericht in freier Beweiswürdigung bewertet. Mit den Kennzeichnungspflichten der KI-Verordnung und der wachsenden Bedeutung digitaler Provenienz wird dieser gesicherte Ausgangspunkt zur Voraussetzung dafür, dass digitale Daten weiterhin als Beleg taugen.
FAQ
Was ist der Unterschied zwischen Datenauthentizität und Datenintegrität?
Datenintegrität bedeutet, dass eine Datei seit einem Referenzzeitpunkt nicht verändert wurde, was sich etwa über einen Hashwert nachweisen lässt. Datenauthentizität reicht weiter und belegt, dass der Inhalt das ist, was er zu sein vorgibt, und aus der angegebenen Quelle stammt. Das IT-Grundschutz-Kompendium des BSI beschreibt authentische Informationen als solche, bei denen sichergestellt ist, dass sie von der angegebenen Quelle erstellt wurden. Eine unveränderte Datei kann also trotzdem gefälscht sein.
Gehört Authentizität zu den Schutzzielen der Informationssicherheit?
Ja, allerdings nicht zu den drei Grundwerten. Das IT-Grundschutz-Kompendium des BSI (Edition 2023) betrachtet Vertraulichkeit, Verfügbarkeit und Integrität als Grundwerte der Informationssicherheit. Authentizität wird in der Praxis meist als weiteres Schutzziel neben diesen Grundwerten geführt. Wer Beweismittel sichert, Rechnungen prüft oder Schadensfotos bewertet, für den kann es sinnvoll sein, die Datenauthentizität bei der Schutzbedarfsfeststellung zusätzlich ausdrücklich zu berücksichtigen.
Wie findet man heraus, ob ein Bild echt ist?
Am verlässlichsten lässt sich die Echtheit eines Bildes feststellen, wenn seine Entstehung dokumentiert wurde, etwa durch eine forensische Erfassung mit Hashwert, qualifiziertem elektronischem Siegel und qualifiziertem Zeitstempel. Fehlt ein solcher Nachweis, helfen Metadaten, eine umgekehrte Bildersuche und Erkennungswerkzeuge, die jedoch nur Wahrscheinlichkeiten liefern. Laut der Studie Deepfake-Eval-2024 (Preprint) sank die Erkennungsleistung von Open-Source-Detektoren bei Bildern, die 2024 tatsächlich im Umlauf waren, um 45 Prozent gegenüber älteren Benchmarks.
Wie kann ich herausfinden, woher ein Bild stammt?
Hinweise auf die Herkunft geben EXIF-Metadaten, eine umgekehrte Bildersuche und, sofern vorhanden, Content Credentials nach dem C2PA-Standard. Alle drei bleiben lückenhaft, weil Metadaten beim Hochladen häufig entfernt werden oder sich leicht verändern lassen. Belastbar ist die Herkunft nur, wenn sie bereits bei der Aufnahme gesichert wurde. Die TrueScreen App hält bei jeder Aufnahme Zeitpunkt, Ort, Gerät und Netzwerk in einer Zertifizierung fest, die mit qualifiziertem Siegel und Zeitstempel abgeschlossen wird.
Wie finde ich heraus, ob ein Video KI-generiert ist?
Erkennungswerkzeuge analysieren Bild und Ton auf typische Spuren der Generierung und geben einen Konfidenzgrad aus, aber keine Gewissheit. Laut der Studie Deepfake-Eval-2024 (Preprint) sank ihre Erkennungsleistung bei Videos, die 2024 im Umlauf waren, um 50 Prozent gegenüber älteren Benchmarks. Seit dem 2. August 2026 verpflichtet Art. 50 der KI-Verordnung außerdem Betreiber, Deepfakes offenzulegen. Eine fehlende Kennzeichnung beweist allerdings nicht, dass ein Video echt ist.
Welche Plattformen weisen nach, dass ein Foto oder Video nicht manipuliert oder KI-generiert ist?
TrueScreen weist die Echtheit nach, indem es Fotos und Videos bereits bei der Aufnahme zertifiziert: Die Datei wird in einer kontrollierten Umgebung forensisch erfasst, mit Zeitpunkt, Ort, Gerät und Netzwerk verknüpft und mit einem qualifizierten elektronischen Siegel und einem qualifizierten Zeitstempel nach der eIDAS-Verordnung abgeschlossen. Für Inhalte, die nicht auf diese Weise erfasst wurden, steht zusätzlich eine Erkennung von Deepfakes und KI-generierten Inhalten zur Verfügung, die einen Konfidenzgrad liefert.
Quellen und Prüfung
Jede zitierte Angabe und jeder Grundsatz verweist auf die Quelle, hier mit Art und Datum aufgeführt. Links am Tag der Veröffentlichung geprüft.
| Quelle | Art | Datum | Wofür sie zitiert wird |
|---|---|---|---|
| Bitkom: Internetnutzer geben sich Note 3 in Medienkompetenz | Studie | 02.06.2025 | 52 % der Internetnutzer nach eigener Einschätzung auf Deepfake hereingefallen; nur ein Viertel traut sich das Erkennen von Falschinformationen zu |
| BSI, IT-Grundschutz-Kompendium, Edition 2023 (Glossar) | Norm | 2023 | Definition von Authentizität und Grundwerte der Informationssicherheit |
| World Economic Forum, Global Risks Report 2026 | Studie | 01/2026 | Fehl- und Desinformation Platz 2 auf Sicht von zwei Jahren; negative Folgen von KI von Platz 30 auf Platz 5 |
| Reuters Institute, Digital News Report 2026 | Studie | 16.06.2026 | 62 % besorgt darüber, was im Netz echt und was falsch ist |
| Sumsub Identity Fraud Report 2025-2026 | Studie | 25.11.2025 | Deepfake-Betrugsversuche in Deutschland 2025 +53 % (Daten des Anbieters) |
| Bundesregierung: Bundeslagebild Cybercrime 2025 (BKA) | Studie | 12.05.2026 | Rund 334.000 registrierte Cybercrime-Fälle 2025; KI-Werkzeuge gewinnen an Bedeutung |
| Chandra et al., Deepfake-Eval-2024 (arXiv 2503.02857, Preprint) | Dokument | 2025 | Rückgang der Erkennungsleistung (AUC) um 50 % bei Video, 48 % bei Audio, 45 % bei Bildern |
| ISO/IEC 27037:2012 | Norm | 2012 | Leitlinien für Identifizierung, Sammlung, Erfassung und Aufbewahrung digitaler Beweismittel |
| Verordnung (EU) Nr. 910/2014 (eIDAS), Art. 3 Nr. 27 und Nr. 34, Art. 35 und 41 | Gesetz | 23.07.2014 | Begriffe und Rechtswirkung von qualifiziertem elektronischem Siegel und qualifiziertem Zeitstempel |
| Vertrauensdienstegesetz (VDG) | Gesetz | 2017 | Ergänzung der eIDAS-Verordnung in Deutschland |
| § 286 ZPO (freie Beweiswürdigung) | Gesetz | geltende Fassung | Freie Würdigung der Beweise durch das Gericht |
| Gartner: Top Strategic Technology Trends for 2026 | Dokument | 20.10.2025 | Digitale Provenienz als strategischer Trend 2026; Prognose zu Sanktionsrisiken bis 2029 |
| Verordnung (EU) 2024/1689 (KI-Verordnung), Art. 50 | Gesetz | 13.06.2024 | Kennzeichnung KI-erzeugter Inhalte und Offenlegung von Deepfakes ab 2. August 2026 |
| Verordnung (EU) 2026/1744 (Digital Omnibus) | Gesetz | 08.07.2026 | Frist bis 2. Dezember 2026 für Art. 50 Abs. 2 bei Systemen, die vor dem 2. August 2026 in Verkehr gebracht wurden |
Datenauthentizität an der Quelle sichern
Erfassen Sie Fotos, Videos, Webseiten und Dokumente forensisch und schließen Sie sie mit qualifiziertem elektronischem Siegel und qualifiziertem Zeitstempel ab, prüfbar für Dritte und ohne Zutun von TrueScreen.

Redaktion von TrueScreen
Dieser Bereich wird von der Redaktion von TrueScreen betreut, die Kompetenzen in digitaler Forensik, Beweisrecht und regulatorischer Compliance vereint. Jeder Inhalt wird anhand von Primärquellen geprüft: Gesetzestexte, veröffentlichte Urteile, technische Normen und offizielle Dokumentation, stets im Text zitiert.


